WN: Tausende Würfel bilden Exponate

Holz-Skulpturen stehen nun in Gießens „Mathematikum“

Lüdinghausen

Vom Dienstzimmer der Schulleitung in Deutschlands bekanntestes Mathematikmuseum: Der „Mengerwürfel“ und der „Mengerstern“ – beide Holz-Skulpturen haben Cani-Schüler 2008 unter der Leitung des damaligen Mathelehrers Wilhelm Sternemann im Differenzierungsunterricht gebaut – sind nun in Gießen ausgestellt.

Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher (l.) begrüßt mit Fabian Pellmann (3. v. r.) und Lukas Nacke (r.) samt seines zehnjährigen Sohns Merlin zwei der Erbauer. Mit dabei war auch ihr damaliger Mathematiklehrer Wilhelm Sternemann (2. v. l.). Foto: Foto: Sternemann

Zwei eindrucksvolle mathematische Holz-Skulpturen, der „Mengerwürfel“ und der „Mengerstern“, haben jetzt eine Reise vom Gymnasium Canisianum nach Gießen ins „Mathematikum“ wohlbehalten hinter sich gebracht. Laut Pressebericht wurden diese beiden komplexen Figuren 2008 unter der Leitung des damaligen Mathelehrers Wilhelm Sternemann im Differenzierungsunterricht am Cani gebaut – als einer von mehreren Beiträgen zum Jahr der Mathematik.

Den tieferen Sinn im mathematischen Unendlich konnten die beteiligten Schüler eher nur ahnen, heißt es weiter: „Trotzdem haben sie die zwei Exponate mit viel Sinn für die darin steckenden Symmetrien aus vielen Tausend Zwei-Zentimeter-Holzwürfeln zusammengeklebt.“ Mit vielfältiger Unterstützung durch Eltern und Sponsoren – unter anderem kamen 2000 Euro aus dem Fördertopf der Telekom – konnten damals die notwendigen Materialien beschafft und das Projekt realisiert werden.

Fabian Pellmann, der neben Lukas Nacke und anderen ehemaligen Schülern zu den Erbauern zählt, hat den „Mengerwürfel“ und „-stern“ nun in einem Kleinbus nach Gießen gefahren. Für die hölzerne Fracht mussten eigens zwei Sitzreihen ausgebaut werden. Zudem saßen vier Fahrgäste mit drin. Am Ziel angekommen, überreichte die Gruppe die Skulpturen an Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher.

Vom Dienstzimmer der Schulleitung in Deutschlands bekanntestes Mathematikmuseum

Anschließend begutachteten die Gäste aus dem Münsterland ausgiebig das Angebot des vielfach preisgekrönten Mathematikums. Nach Ausstellungen in der Heimat vor mehr als einem Jahrzehnt – unter anderem in der Sparkasse Lüdinghausen und in den Dienstzimmern der Schulleitung – warten die Lüdinghauser Skulpturen nun auf ihre Auftritte im bekanntesten Mathematikmuseum Deutschlands, schreiben ihre Macher in dem Bericht.

Benannt sind die Skulpturen nach dem jüdischen Mathematiker Karl Menger, der sich kurz vor der Gründung des „Wiener Kreises“ aus damals führenden Philosophen und Naturwissenschaftlern den „Würfel“ zur Klärung wichtiger Grundlagenfragen von Logik und Mathematik ausgedacht hatte. Von dem eigentlich nur in Gedanken existierenden, unendlich fein durchlöcherten Würfel ist das Holz-Modell lediglich eine simple „endliche“ Vereinfachung. Menger hat ihn 1926 ohne irgendein Bild veröffentlicht. Der „Mengerstern“ wiederum ist ein gedankliches Gegenstück, das aus dem beim Aushöhlen anfallenden „Abfalls“ des „Mengerwürfels“ entsteht, in dem überraschend viel schul-nahe Geometrie von den platonischen Körpern steckt, heißt es abschließend.

Quelle: WN 25.04.2022