
Lüdinghausen. „Optimismus ist ein psychologischer Antrieb, sich selbst und andere zu motivieren.“ Dieser Satz des Schirmherrn der 15. ECO Tour de Ruhr, des für seinen radikalen Einsatz für Regenerative Energien bekannten Bundestagsabgeordneten Dr. Herrmann Scheer aus seinem neuen Buch „Energie-Autonomie“ zeigt, warum sich auch in diesem Jahr das Sunny-Cani-Team des Gymnasium Canisianum in Partnerschaft mit dem Autohaus Rüschkamp auf den Weg machte, um zu zeigen, dass man auch mit regenerativer Energie mobil sein kann. „Mobilität der Zukunft“ wird am Cani auch eins der Projekte heißen, das die Agenda-21-SChule bei ihren Projekttagen zum Thema „Zukunft“ im Herbst anbieten wird.
Nach der Bewältigung zahlreicher technischer Probleme machten sich Philipp Westhoff mit dem feuerroten Sunny-Cani-Mobil und Felix Deja mit dem blauen City EL der Wolfsberg-Apotheke auf den Weg. Zur Crew des Rüschkamp-Fahrerlagers gehörten auch die beiden 15-Jährigen Schüler Lukas Nacke und Fabian Pellmann. Nachdem sie zunächst die Schüler-Rallye zu regenerativen Antriebstechniken auf dem Lüdinghauser Marktplatz mit organisiert hatten, waren sie bei der Tour vom Veranstalter ISOR (Initiative solare Mobilität Ruhrgebiet) als helfende Gäste eingeladen und wollten als frisch gebackene Amateur-Funker (dazu waren sie im Rahmen eines Comenius-Projektes am Cani ausgebildet worden) den mobilen Einsatz ihrer jüngst erworbenen Funkgeräte testen. So fuhren sie als Beifahrer in zwei Fahrzeugen der Spitzen-Klasse mit, die in der Kategorie „biogene Kraftstoffe“ gemeldet waren. Das Saab-Cabrio, das zunächst von Lehrer Bernd Lieneweg und zum Schluss von dem Journalisten und aktiven Rennfahrer Andreas Graf Praschma gefahren wurde, nutzte Bio-Power Ethanol (E-85) – von Landwirten der Region aus Stroh produziert. Der zweite Saab ist ein Prototyp, der mit seinem 175 PS-Dieselmotor von der Firma e-oil für die Nutzung von reinem, frisch gepressten Pflanzenöl umgerüstet wurde. Dieses stärkste Bio-Fahrzeug der Tour wurde zunächst von dem Schüler und Praktikanten Marius Frenzel gefahren und später von Bernd Lieneweg übernommen. Konkurrenzlos erzielte er den ersten Platz in seiner Klasse.
Weniger Glück hatten Felix Deja und Philipp Westhoff. Es war von vorneherein eingeplant, die neuen, noch nicht eingefahrenen Batterien nicht der Tortur der langen Etappe von Hagen nach Bielefeld auszusetzen. Sie brachen die Tour am Freitag ab und kamen nicht in die Wertung. So hat sich für das Sunny-Cani-Team bestätigt, dass die Stärke der kleinen Elektroflitzer im Nahbereich liegen, die biogenen Kraftstoffe Pflanzenöl und Ethanol jedoch schon jetzt voll alltagstauglich sind. Auch nach Meinung von Herrmann Scheer, der sich auf dem Friedrich-Ebert-Platz in Hagen in einer flammenden Rede für die solare Mobilität stark machte, werden die Biokraftstoffe der heimischen Landwirte später nach dem Versiegen der fossilen Kraftstoffquellen neben der Wasserstofftechnologie im Verkehr der Zukunft die bedeutende Rolle spielen. Er sprach’s und startete danach in einem bereitgestellten Bio-Ethanol-Fahrzeug nach Bonn.
Lukas Nacke und Fabian Pellmann bereiten sich indessen schon jetzt auf die 16. ECO Tour de Ruhr im nächsten Jahr vor. Dann 16-jährig wollen sie in einem neuen Leichtfahrzeug selbst als Fahrer im Sunny-Cani-Rüschkamp-Team an den Start gehen, und so jobben sie jetzt in den Sommerferien für ihren Führerschein.
Quelle: WN 29.06.2006

