Presseartikel

Hallo in der Redaktion!

Heute mal was fast ganz Unpolitisches: CityEL-Kultur. Die heute wieder so aktive Gruppe vom EL-Team Münsterland habe ich vor 27 Jahren angestoßen. Gestern war ich dort zu Besuch: eine völlig andere Welt hat sich da aufgetan, ich habe versucht, darüber zu berichten. Vielleicht habt ihr/haben Sie ja mal eine Wochenend-Ausgabe, wo so etwas hineinpasst. Ein ganz außergewöhnliches Hobby wird vorgestellt.

Sonnige Grüße

Bernd

Bernd Lieneweg und Lukas Nacke vom EL-Team Münsterland

Zurück in die Zukunft: Generationswechsel bei den Fans des CityEL – auch in Lüdinghausen

Lüdinghausen. Ellert ist in Dänemark der beliebte Begriff für ein kleines 3-Rad-Elektrofahrzeug, das speziell für kürzere umweltfreundliche Fahrten gedacht war. Nachdem die Produktion 2017 endgültig eingestellt wurde und viele ältere Menschen ihre alten ELs nach etwa 30 bis 40 Jahren in einem traurigen Zustand – defekt, verbastelt und technisch veraltet – abgeben, entsteht gerade eine neue Szene von jüngeren Enthusiasten, die die ausrangierten Elektroflitzer annehmen, liebevoll restaurieren, unter großem Zeitaufwand mechanisch und elektrotechnisch auf den neuesten Stand bringen und als Gebrauchtfahrzeuge entweder selbst nutzen oder wieder auf den Szene-Markt bringen. Nachhaltigkeit, verbunden mit Bastelspaß auf höchstem Niveau treibt die neue Generation an, die alte „Knutschkugel“ als Hingucker und extravagantes Zweitgefährt wieder auf die Straße zu bringen. Natürlich trifft man sich dann auch unter Freunden, präsentiert die alten Prunkstücke und hat seine Freude bei gut organisierten Ausfahrten mit Gleichgesinnten. Auch das EL-Team Münsterland – Veranstalter der Solarchallenge Münsterland seit über 20 Jahren – hat eine gut ausgestattete Bastlerwerkstatt in Kökelsum (Olfen). Auch hier haben sich die Zeiten gewandelt, die Ansprüche sind anders geworden. Wer Oldtimer restaurieren will, braucht beispielsweise ein Sandstrahlgerät, gute Zulieferer für Metallteile, die dann passgenau – oft mit neu geschnittenen Gewinden – eingearbeitet werden müssen. Für die Cabrios muss man Dächer nähen können. Man braucht 3D-Drucker, um alte Teile nachzubauen oder Gehäuse für neue Technik zu entwickeln, z.B., wenn sich die Außenspiegel elektrisch verstellen lassen sollen. Und wenn die alten Karossen dann auch noch – und das ist der ganz besondere Reiz in dieser Sparte – mit modernster Elektrotechnik ausgestattet werden sollen, dann muss man Displays entwickeln und bauen können. Wenn die alten Elektromotoren – um Reichweite für Langstrecken zu generieren – mit Lithium-Zellen neuester Generation versorgt werden sollen, dann braucht man eine neue, speziell angepasste Steuertechnik. Die neuen Bastler um Lukas Nacke aus Lüdinghausen sind gutverdienende und hervorragend ausgebildete Fachleute, die sich selbst – um ihre leicht verrückten Ideen in die Tat umsetzen zu können – zu hoch spezialisierten Hobby-Elektroingenieuren fortgbildet haben.

Die Geschichte der Mini-Elektroautos muss kurz erzählt werden, um dieses besondere Hobby verstehen zu können. Anfang der 1980er Jahre erfand der dänische Ingenieur Steen Volmer Jensen den kleinen Ellert. Als mini-EL begann 1987 in Randers die Produktion dieses Elektro-Dreiradwagens. Das Werk wurde 1995 nach Deutschland verkauft. In Aub bei Würzburg wurden die kleinen Elektro-Flitzer unter der Regie von Karl Nestmeier gefertigt. Die Elektronik und der Antrieb wurden modifiziert und weiterentwickelt, das äußere Erscheinungsbild weitgehend beibehalten. Die Fahrleistungen des Elektroflitzers lagen je nach Version bei 45 km/h oder 55 km/h Spitze und  bis zu 50 km Reichweite je nach Motorisierung, Blei-Akku-Ausstattung und Fahrweise. Insgesamt wurden ca. 4.400 Exemplare in Dänemark hergestellt. Die deutsche Fabrik hat vor der endgültigen Schließung im Jahr 2017 rund 1600 Stück produziert (ohne Gewähr). Als Gebrauchtwagen lebte die Legende jedoch weiter, die Dreiräder mit Plexiglashaube wurden zu Oldtimern, die meisten schließlich zu achtlos aufgehobenem Schrott, der nun in Dänemark und an verschiedenen Stellen in Deutschland von begeisterten Bastlergruppen abgeholt und wieder „aufgemotzt“ wird. Dazu gehört seit 2008 das EL-Team Münsterland in Lüdinghausen, das 1999 als Schul-AG „ Sunny-Cani-Team“ mit einem geschenkten CityEL vom Autohaus Rüschkamp begonnen hatte.

1. Foto: In den beiden ersten Jahrzehnten rollten die CityELs noch in der klassischen Ausstattung, danach wurden immer mehr von neuen Elektroautos abgelöst und landeten fahruntüchtig in Schuppen und Garagen.

2. Foto: Immer mehr alte Besitzer sind froh, dass sie ihre ehemaligen Schätze in elendem Zustand bei Lukas Nacke in der Kökelsumer EL-Werkstatt abgeben können. Dort werden sie zu neuem Leben erweckt. Durch HighTech-Ausstattung mit modernster Batterietechnik erlangen sie etwa 10-fache Reichweite, Displays erstzen die alten Anzeige-Instrumente, für ihre neuen Besitzer werden sie zum extravaganten Kultmobil.

So dann in den WN vom 19.8.2026:

Bastian Becker, alter Canisianer, jetzt Redakteur der RN in Lünen, möchte sich vor Ort in Kökelsum mit uns treffen, um einen eigenenBericht zu schreiben. Da sind wir alle gespannt