RN: Begeisterung auf drei Rädern: Sehr gefragte Werkstatt in Olfen

Olfen. In einer Scheune restaurieren Technikbegeisterte dreirädrige Elektroautos. Was einst als Schulprojekt begann, ist heute eine besondere Gemeinschaft.

Lukas Nacke (links) und sein früherer Lehrer Bernd Lieneweg teilen die Leidenschaft für dreirädrige CityEL-Fahrzeuge, die mittlerweile nicht mehr produziert werden. © Bastian Becker
Lukas Nacke (links) und sein früherer Lehrer Bernd Lieneweg teilen die Leidenschaft für dreirädrige CityEL-Fahrzeuge, die mittlerweile nicht mehr produziert werden. © Bastian Becker

Von: Bastian Becker, Veröffentlicht in Ruhrnachrichten 27.10.2026

Lukas Nacke steht auf dem Hof seiner Eltern und blickt gemeinsam mit seinem früheren Lehrer Bernd Lieneweg auf die dreirädrigen CityEl-Fahrzeuge in der SCheune, die hier auf ihre Reparatur warten. Im Inneren bastelt sein 14-jähriger Sohn Merlin bereits mit einer Schutzmaske vor dem Gesicht an der sichtbar beschädigten Haube eines der Fahrzeuge. Heute ist eine Schueine auf einem Hof in Olfen-Kökelsum Heimat einer Werstatt für ganz besondere Elektroautos, die seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gebaut werden.

In der Ferienzeit treffen sich mitten im südlichen Münsterland CityEl-Begeisterte aus ganz Deutschland, um gemeinsam zu schrauben und Erfahrungen auszutauschen. Über ein Online-Forum bleibt diese Community mit Mitgliedern auch aus dem Saarland oder Bremen außerhalb der regelmäßigen Treffen in Kontakt.

Das frühere Fahrzeug von Bernd Lieneweg (rechts in gelb) zählt zu den CityEL-Autos, die in der Scheune auf ihre Reparatur warten.© Bastian Becker
Das frühere Fahrzeug von Bernd Lieneweg (rechts in gelb) zählt zu den CityEL-Autos, die in der Scheune auf ihre Reparatur warten.© Bastian Becker

Lithium Batterie bringt viel

„Seit ich 14 bin, fahre ich Elektroauto“, erzählt Lukas Nacke, begonnen hat die Leidenschaft vor rund 20n Jahren im Rahmen einer Schul-AG am Gymnasium Canisianum in Lüdinghausen mit Biologie- und Chemielehrer Bernd Lieneweg. Aus dem damaligen Sunny-Cani-Team ist, nachdem alle Beteiligten die SChule verlassen haben, das El-Team Münsterland geworden. Hier in Kökelsum laufen mittlerweile auch Reparaturanfragen von Fahrzeugbesitzern aus Aachen, der Nähe von Frankfurt oder dem Bayerischen Wald ein. „Mein früheres Fahrzeug, das ich verkauft habe, als ich in den Ruhestand ging, ist mittlerweile auch wieder in der Werkstatt gelandet, steht aber noch auf der Warteliste“, berichtet der pensionierte Lehrer und zeigt auf das gelbe Gefährt mit dem „Cani“-Logo.

Mit technischem Knowhow bringen Lukas Nacke und seine Mitstreiter die Fahrzeuge eines nach dem anderen wieder auf Vordermann. Eine Vielzahl von Ersatzteilen stellt das El-Team dabei auch per Homepage als Vorlage für den 3-D-Druck zur Verfügung. Mit der in Kökelsum verbauten modernen Lithium-Batterietechnik erreichen entsprechend umgerüstete CityEls nach Angaben von Lukas Nacke mittlerweile Reichweiten von rund 250 Kilometern. „Mit der alten Batterie waren es, wenn es warm war und man Glück hatte, gerade mal 60“, erzählt Lukas Nacke.

Auf der Hebebühne wird aktuell dieses CityEL-Dreirad aus dem Jahr 1998 auf Vordermann gebracht.© Bastian Becker
Auf der Hebebühne wird aktuell dieses CityEL-Dreirad aus dem Jahr 1998 auf Vordermann gebracht.© Bastian Becker

In dem alles andere als geräumigen Fahrzeug bleibt nur Platz für den Fahrer und ein Kind bis zu einem Gewicht von 40 Kilogramm auf dem Rücksitz. „Du musst schon bereit sein, ein neues Hobby zu kaufen, wenn du ein solches Fahrzeug haben willst. Bei uns treffen sich viele verrückte Leute, die ein bisschen seltsam sind“, schmunzelt der CityEl-Experte. Dazu zöhlen unter anderem ein Rettungssanitäter aus dem Saarland und ein Raumfahrtingenieur. Gemeinsam arbeiten sie in ihren Treffen an Details wie der Haube, der sich gerade noch Teenager Merlin widmet.

Auf einer Hebebühne, die Lukas Nacke zufällig aus dem Bestand einer Schule bekommen konnte, befindet sich aktuell ein gelbes CityEl-Fahrzeug aus dem Jahr 1998. „Hier am Fahrgestellt sieht man, dass die Nummer eigentlich dänisch war, dann aber durch eine deutsche ersetzt wurde“, berichtet der Olfener.

Merlin (14) bastelt in seinen Ferien mit Begeisterung an den CityEL-Fahrzeugen in der Werkstatt seines Vaters.© Bastian Becker
Merlin (14) bastelt in seinen Ferien mit Begeisterung an den CityEL-Fahrzeugen in der Werkstatt seines Vaters.© Bastian Becker

Interesse bei Jung und Alt

Besonders um die Jahrtausendwende waren die in Dänemark produzierten CityEl-Fahrzeuge sehr populär. Es gibt sie als Leichtkraftfahrzeuge mit einer Geschwindigkeit bis 45km/h oder in der größeren Version, die als PKW gelten und etwa entsprechende Untersuchungen beim TÜV erfordern, mit einem Höchsttempo bis zu 63 km/h. Lukas Nacke ist für Besorgungsfahrtenmit dem besonderen Gefährt heute regelmäßig in seinem Wohnort Lüdinghausen unterwegs.

„Viele Fußgänger winken oder grüßen, vor allem von kleineren Kindern und älteren Damen gibt es da einige Reaktionen“, bekommt er mit. „Dieses 80er-Jahre-Futurismus-Design begeistert einige.“ Damit die CityEl-Autos auch weiter auf den deutschen Straßen unterwegs sein können, steht die Olfener Werkstatt in regelmäßigem Kontakt mit dem deutschen Ersatzteilhändler in Fürstenfeldbruck bei München. Einige Teile wie passende Rückleuchten gibt es bei großen Marken wie Fiat, ansonsten muss der 3D-Drucker helfen.

Bald kann auch Lukas Nackes Sohn Merlin den Führerschein für eines der Leichtkraftfahrzeuge machen. Eine wichtige frage für die Zukunft hat er laut seinem Vater bereits nach einer der Fahrten auf dem Rücksitz gestellt: „Da hat er sich erkundigt, ob er das Fahrzeug und die Werkstatt erben könnte, wenn ich tot bin“, erzählt der Kökelsumer. Auch Lukas Nackes einige Jahre jüngerer Neffe bastelt in den Ferien mit Begeisterung in der Werkstatt. Um die nächste Generation der CityEl-Bastler muss man sich offenbar keine Sorgen machen.

Mit diesem CityEL-Fahrzeug ist Lukas Nacke im Alltag unterwegs.© Bastian Becker

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